Frauenpower! „Lady Africa“ von Paula McLain

lady-africa-paula-mc-lainSchon die zweite Geschichte über eine Frau, die sich den Konventionen widersetzt und blond und hübsch ist! Die hat allerdings relativ wenig mit meiner eigenen Reise bzw. mit meinen Reisezielen zu tun, denn, obwohl ich es mir nach der Lektüre von „Lady Africa“ von Paula McLain doch vorstellen könnte, haben wir diesen Kontinent auf unserer Route ausgespart.

Nichtsdestotrotz will ich euch von diesem wunderbaren Buch erzählen! Es zu lesen lohnt sich nämlich wirklich und es löst, wenn nicht unbedingt konkretes Fernweh, doch Abenteuerlust aus. Es handelt von Beryl Markham, die in Kenia aufwächst und lebt. Ihr Vater, ein britischer Pionier, kaufte dort 1904 für wenig Geld viel Land, auf dem er eine Farm und später eine Pferdezucht aufbaute.

Die Mutter hielt es nicht lange aus und ging wieder zurück nach England, mit dem Bruder von Beryl im Schlepptau. Ihre Tochter aber ließ sie zurück.

Die konnte das nicht verstehen, freundete sich dann aber mit Eingeborenen an, die sie wie ein eigenes Kind bei sich aufnahmen. So wurde aus dem blonden, britischen Mädchen, eine wilde Afrikanerin, die barfuß durch die Dornenhecken lief, Jaguare jagte und frei wie der Wind war. Jede Bemühungen ihres Vaters, die vor allem durch dessen neue Lebensgefährtin vorangetrieben wurden, Beryl zu zähmen, schlugen fehl. Sie lehnte jede Schulbildung ab und beschäftigte sich lieber mit den Tieren, vor allem den Pferden ihres Vaters.

Obwohl sie an einer Stelle ihrer Geschichte einknickt und sich widerwillig verheiraten lässt, bleibt sie doch sie selbst. Die Ehe macht sie nicht glücklich und sie flieht, um Trainerin zu werden – als erste Frau überhaupt. So folgt sie auch weiterhin ihrem Herzen und ihrem Körper. Sie hat zahlreiche Affären, die sich aber meist aufs Körperliche beschränken.
Denn das wichtigste Gut für sie ist die Freiheit, sie will weder „die Frau von jemandem“ noch „die Tochter von jemandem“ sein. Damit macht sie sich nicht überall Freunde, muss einig Anfeindungen und Rückschläge verkraften und überleben. Sie heiratet im Buch trotzdem zwei Mal, was aber eher ein Tausch von Körper gegen Ressourcen ist, um zu überleben und die Möglichkeit zu haben, weiterhin ihre große Leidenschaft, die Pferde, zu behalten. Später tauscht sie diese Leidenschaft gegen eine andere, nämlich das Fliegen.

Der Roman, den Paula McLain da geschrieben hat, ist halb Erfindung, halb Biografie einer wunderbaren Frau, die sich nie unterkriegen lässt, stark ist, aber es selbst manchmal gar nicht weiß.

Besonders fasziniert hat mich die Art, wie er aufgebaut ist, wie die Szenen beschrieben sind. Immer interessant, nie ein Wort zu viel, aber auch nie ein Wort zu wenig – diese Autorin versteht ihr Handwerk. (Und ich habe in meinem Leben schon sehr, sehr viele Bücher gelesen….)

Ich liebe es, wie viel Arbeit und Recherche sie in dieses Buch gesteckt hat, denn fast alle Personen haben wirklich gelebt und entweder ihrerseits Bücher über ihr Leben geschrieben, oder es wurden Bücher über sie geschrieben. Auch Beryl selbst hat eines verfasst, das Paula McLain so gut fand, dass sie beschloss, „Lady Africa“ zu schreiben. Sie zeigt deutlich, dass jedes Gerücht, jede Geschichte, immer zwei Seiten hat und dass man Menschen nie verurteilen sollte, wenn man ihre Beweggründe nicht kennt.

Am meisten beeindruckt haben mich folgende zwei Passagen:

  • „Außerdem habe ich eine Flugkarte dabei, auf der meine Route über den Atlantik von Abingdon nach New York aufgezeichnet ist, jeder Zentimeter eiskalten Wassers, über den ich hinwegfliegen werde, jedoch weder die Leere noch die Einsamkeit oder die Angst, die damit verbunden sind. Dabei sind diese Empfindungen genauso real und ich werde durch sie hindurchfliegen müssen. Mitten durch die Übelkeit erregenden Turbulenzen und Luftlöcher, denn man kann die Dinge, die einem Angst einjagen, nicht einfach umfliegen. Man kann nicht vor sich selbst davonlaufen, und das ist auch besser so. Manchmal glaube ich, wir wachsen und verändern uns nur durch Herausforderungen.“
  • „Suchende und Verirrte waren wirklich oft kaum voneinander zu unterscheiden, we Denys einmal zu mir gesagt hatte, und womöglich kamen wir auch irgendwann alle an demselben Ort an, zweifellos klüger als zuvor, ganz gleich, welchen Pfad wir einschlugen oder wie oft wir hinfielen.“
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2 Gedanken zu “Frauenpower! „Lady Africa“ von Paula McLain

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