Panama: Eine Plastik-Flut!

panama-plastik 

Kurzes Vorwort, Plastik kommt gleich!

Ich merke grade, ich habe euch echt ziemlich in der Luft hängen lassen. Es tut mir leid. Darum erstmal eine Kurz-Zusammenfassung unserer Route bisher.

Nach Panama City ging es für uns nach El Valle de Anton, dann nach Santiago, anschließend nach Santa Catalina. Danach fuhren wir per Shuttle nach Boquete, und – dem klassischen Backpacker-Trampelpfad folgend – nach Bocas del Toro. Weil die letzten beiden Stops aber nicht so berauschend waren, machten wir uns wieder auf und hingen noch ein paar Tage in Santa Catalina rum. Soweit die Kurzfassung. Derzeit wären wir unterwegs zu einem Eco Resort, um die Welt (na ja, zumindest ein paar Schildkröten) zu retten, sind allerdings wieder hängen geblieben. Dieses Mal unfreiwillig, denn die kleine Tigerente ist krank. Aber dafür habe ich Zeit, zu bloggen, während das Kind sich ein bisschen ausruht. Und ja, wir waren im Krankenhaus, wo ihr Blut abgenommen wurde und so. Dengue-Fieber ist es keins, auch sonst nix Dramatisches, Malaria gibt es nur östlich von Panama City, erklärte mir der sehr gutaussehende 😉 Arzt, also kein Grund zur Sorge.

So, und nun werde ich euch nach und nach die Details unserer Reise durch das Land unserer Träume erzählen. Angefangen mit dem Öko-Thema, das uns alle betrifft!


 

 

Plastik! Überall Plastik! Was das angeht, ist Panama  fürchterlich. Total fürchterlich. Egal, was man kauft, man bekommt es in mindestens einer Plastik-Tüte. Wir haben mal ein Eis fürs Kind gekauft, das in einer Papier-Schachtel eingepackt war. Dafür haben wir eine Plastik-Tüte bekommen und dann noch eine größere für die kleine. In der Papier-Schachtel lag außerdem nicht das Eis, sondern das Eis in einer Plastiktüte. Unglaublich oder? Drei Mal Plastik für ein Eis!

Ich wisst ja schon, ich bin ein Öko im Herzen und nehme zu Hause immer Tüten zum Einkaufen mit, hab ich schon immer gemacht. So, nun ist ja Plastik in aller Munde und ich nehme das noch genauer – eigentlich. In Panama gab es keine Chance. Nicht mal die geringste.

Jedes Mal (auch beim Eis) habe ich es versucht mit: „Danke, ich brauche keine Tüte, ich habe eine!“ Woraufhin die Verwunderung bei sämtlichen Verkäufern/Kassierern groß war. Nach der ersten Fassungslosigkeit erklärten sie mir immer, dass sie das nicht dürfen. Man braucht die Plastiktüte, um am Security-Mann am Ausgang vorbeizukommen, warum auch immer.

Supermarkt war meine persönliche Hölle. Jedes Obst und Gemüse MUSS in einer Plastiktüte verpackt sein, sogar eine Melone! Auch da habe ich versucht, zu erklären, dass ich das nicht möchte, woraufhin ich die Wahl hatte: Plastik oder gar kein Obst.

An der Kasse gibt es die lieben Einpackerinnen und Einpacker, was im Grunde praktisch wäre. Doch die packen alles in Plastiktüten, und zwar in zwei ineinanderliegende, damit die auch auf keinen Fall reißen. Was sie allerdings ohnehin nicht machen, denn in so einen Doppelpack packen die nur zwei oder drei Sachen, dann nehmen sie einen neuen. Aaaaaargh! Meine Versuche, umzupacken, wurden mit ungläubigen Augen beobachtet, um dann die so gesparten Tüten in den Mülleimer zu werfen (Mülltrennung gibt es auch nicht), statt sie für den nächsten Kunden zu verwenden.

So, genug geschimpft.

Jeder weiß ja, warum wir Plastik meiden sollten. Das Nachbarland von Panama, Costa Rica, hat angeblich ein Verbot für die Tüten ausgesprochen. Panama hingegen ist davon noch weit entfernt, ich würde fast sagen, im Gegenteil. Wie ich HIER gelesen habe, ist die Plastik-Industrie in dem Land in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und bringt viel Geld ein.

Nichtsdestotrotz scheint das Bewusstsein zu wachsen, wie DIESER Artikel sagt.  Die Umweltbehörde, die 1998 gegründet wurde, weiß um das Problem und versucht wohl, in der Bevölkerung für ein Umdenken zu sorgen – ich persönlich habe davon nichts gesehen. Panama will versuchen, mehr zu recyceln und langsam ein System der Mülltrennung zu etablieren.

Ehrlich gesagt ist das etwas, das meinen Kopf mal wieder total irre macht. Ausgerechnet Panama selbst produziert so viel Müll, so viel Plastikmüll! Dabei ist das Land eines derer, die am meisten unter dem Plastikmüll der gesamten Welt zu leiden haben. Weil es – in dieser Hinsicht gesehen – sehr ungeschickt liegt, sind die Strände und Fischbestände besonders betroffen. Wie Konfetti, so beschreiben es einige Segler und Öko-Urlauber in diversen Beiträgen, das am Strand und im Sand herumliegt. Ich meine, schon deswegen müssten sich die Panamesen doch an der eigenen Nase nehmen.

Panama Stadt liegt ja eigentlich total fantastisch, nämlich direkt am Meer. Aber ein bisschen im Wasser abkühlen ist trotzdem nicht drin, denn das ist gefährlich. Es ist wirklich unglaublich, aber die ganzen Abfälle und Abgase der City gehen wohl ins Meer. Angeblich schmeißen teilweise sogar ganze Fabriken ihre chemischen Abfälle ins Wasser, statt sie zu entsorgen.

Fast die Hälfte der Bevölkerung hat außerdem wohl keine Verbindung zum Abwasser-System, deren Abwasser sammeln sie in großen Tanks, die dann ebenfalls ins Meer gekippt werden. Von 2006 bis 2013 gab es wohl ein Programm, um die Bucht aufzuräumen und den Toxinen im Wasser Herr zu werden. Es wurde auch durchgeführt, kostete rund 200 Millionen Dollar. Baden kann man immer noch nicht, inzwischen gibt es ein neues Projekt, das an das alte anknüpfen soll. Bis 2035 soll es abgeschlossen sein, um dann endlich wieder, wie in alten Zeiten (Bild dazu gibt’s HIER) die Stadt baden zu lassen.

Zu dem gehört auch, dass die erste Metro-Linie gebaut und in Betrieb genommen wurde, drei weitere Linien sind in Planung. Auch die anderen öffentlichen Verkehrsmittel wurden verbessert, um den Verkehr in der Stadt zu reduzieren.

Nun darf man der Regierung nur einen kleinen Vorwurf machen, dazu gleich. In der Vergangenheit haben die Menschen an der Macht den Fokus auf die Entwicklung des Landes gelegt, nicht auf Umweltschutz. Das ist gelungen, denn die Wirtschaft wächst und wächst und damit auch der Lebensstandard, zumindest in der Stadt.

Dazu trägt auch der Panama-Kanal bei, der als das „Öl von Panama“ bezeichnet wird. Die Kanalentwicklung selbst hat zumindest einige Öko-Ziele, das vorrangige hat sie erreicht: Nämlich, dass das Wasser aus der Leitung getrunken werden kann.

Über all den Bemühungen allerdings schwebt das Schwert der Korruption, die in Panama ein großes Problem ist. Viele derjenigen, die etwas verändern könnten, lassen sich von den Lobbys kaufen, um selbst ein besseres Leben und mehr Geld zu haben, anstatt das große Ganze zu sehen, wie mir berichtet wurde.

Auch die einzelnen müssen Umweltschutz erstmal lernen. Ich habe selbst gesehen, wie viele Leute ihren (Plastik-)Müll einfach aus dem Busfenster schmeißen, statt an der nächsten Station in den Mülleimer. Daran arbeite man derzeit ebenfalls. So werde in den Schulen ein Fokus auf Nachhaltigkeit gelegt, die Kinder darin unterrichtet, was sie tun können, um die Umwelt zu erhalten und warum das überhaupt wichtig ist.

 

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6 Gedanken zu “Panama: Eine Plastik-Flut!

  1. Danke für deinen tollen Bericht. Als ich 1998 nach Australien ging, lief es hier ähnlich mit den Plastiktüten im Supermarkt. Vor einigen Jahren hat sich das zum Glück geändert und heute nehmen die meisten Menschen ohne Probleme ihre eigenen Taschen mit zum Einkauf (der übrigens auch eingepackt wird). Ich weiß noch wie ich vor über 10 Jahren mal in einem Staubsaugerladen war. Dort kaufte ich Staubsaugerbeutel. Fragte mich der Verkäufer, ob ich eine Tüte haben wolle? Sagte ich: „Nee, ich hab n Rucksack dabei.“ Sagte er: „Richtig so. Diese Leute, die sich solche kleinen Sachen in eine Tüte packen lassen, nur um sie dann in eine größere Tüte (weil sie im Einkaufszentrum noch diverse andere Sachen gekauft haben) zu packen, sind nicht zum Aushalten!“
    Es ist immer ein Kulturschock woanders hin zu gehen. Wir sehen alles nur mit unseren eigenen Öko-Augen, dürfen dabei aber nicht vergessen, dass auch wir irgendwann erstmal ein Umweltbewusstsein bekommen mussten. Ich kann das auch nicht gut haben, wenn ich Müll oder gar Fabrikrückstände im Fluss oder im Meer sehe. Tatsache jedoch ist (Plastik ist scheiße! – keine Frage), dass Müll an jeden Strand der Welt angeschwemmt wird.
    Ich bin dadurch, dass ich einen Hund habe, zwangsläufig viel unterwegs. Ich sehe sogar Sperrmüll in der Natur herumliegen und das regt mich richtig auf. Bestimmte Dinge kann man kostenlos bei uns entsorgen but nö die Leute fahren zu zweit in die Pampas und werfen ihren kaputten Kühlschrank in die Natur. Unglaublich!

    Ach, ich merke schon, ich rege mich auf. Deiner Tochter gute Besserung und dir weiterhin eine tolle Reise.

    Gefällt 1 Person

  2. ohjeh, erstmal gute Besserung an die kleine Tigerente. Diese Müllverschmutzung habe ich leider an so vielen Orten beobachtet :(. Ich finde es auch ganz schlimm.

    Liebe Grüße,
    Isabelle

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