Santiago und das fürchterlichste Hostel der Welt

Wären wir doch nur in El Valle geblieben! Dachte ich mir, eineinhalb Stunden, nachdem wir von dort weg waren. Und es kam noch schlimmer, mal wieder. Wir warteten am Umsteigepunkt in der Mittagshitze fast drei Stunden auf den Bus nach Santiago. Zwei davon hatten wir schon gesehen, aber die sind beide weitergefahren, trotz energischen Winkens.

Mit den Nerven am Ende hielt schließlich doch noch einer und die Reise konnte weitergehen. Dort angekommen fanden wir gleich ein günstiges Taxi, das uns ins Hostel brachte. Dabei entfernten wir uns immer mehr vom Zentrum der Stadt und waren schließlich in einer Gegend, in der ich nicht hätte aussteigen wollen. Obwohl sie nicht so heruntergekommen war wie einige Gegenden in Panama City, hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl. Und was soll ich sagen…. Genau da hielt das Taxi und wir standen vor einem großen Tor mit der Aufschrift des Hostels. Das hat keine Homepage oder so und, wie ich erfahren habe, sei es so eine Art Geheimtipp.

Geheim im Sinne von düster. So wird ein Schuh draus. Die Besitzerin weiß genau, wie man Gäste behandelt, damit sie nicht wiederkommen. Kind und ich durften kein privates „Schlafzimmer“ (eine Art Turm im Garten, ein Bretterverschlag mit einem Bett mit zerrissener Matratze) haben, obwohl wir die einzigen Gäste waren. So war aber ja auch der Schlafsaal nicht schlimm, immerhin waren wir alleine. Dort bekamen wir zwei Betten zugeteilt, weil die anderen waren nicht bezogen waren. Wir schliefen nur in einem, 90 mal 180, denn für beide reichte das Moskitonetz nicht und auf dem oberen Bett fühlten sich außerdem die Spinnen sehr wohl, die da schon wohnten. Ich glaube, die wollten lieber unter sich bleiben.

Moskitonetz deshalb, weil der Schlafsaal ein Schuppen war. Mit ganz vielen Luftlöchern, überall. So sah übrigens auch die Toilette aus, und auch die Dusche, also schüchtern darf man dort nicht sein. Zusperren oder zuziehen konnten wir unsere Türe nicht, wir schliefen also mit all unseren Habseligkeiten in dieser Gegend in einem Garten, der durch ein lächerliches Tor (das Haus der Besitzerin war mit Gittern abgeriegelt wie ein Hochsicherheitstrakt) geschützt war.

Wir leben noch, so viel dazu. Ameisen haben wir nirgends so viele gesehen wie dort, so einen ekligen Kühlschrank ich in meinem ganzen Leben nicht. Hund, Katzen und Hühner liefen durch den Garten, der eigentlich ganz ok gewesen wäre, hätten die diversen Tiere dort nicht ihre Geschäfte verrichtet, erlegte Tiere den Ameisen zum Nagen überlassen und anschließend das halb verdaute erlegte Tier ebenfalls wieder ausgespuckt.

Noch bis gegen 23 Uhr sah ich das als ein weiteres Abenteuer auf der Liste und war durch die Hollywoodschaukel mehr als zufrieden, auf der Kind und ich Hörbücher hörten, während wir dem Sonnenuntergang zusahen. Dann kam die Nacht in dem aufgeheizten Schuppen. Dass wir nicht gut geschlafen haben, war klar. Aber das große Problem, bei dem ich resignierte und zu meiner Mama nach Hause wollte, offenbarte sich bald. Es gab kein Wasser. Die Hostel-Frau hatte uns ohne Bescheid zu sagen das Wasser abgedreht. Wir schwitzten literweise und hatten nichts zu trinken. Oh, war das eine Höllen-Nacht. Ich fand heraus, dass, wenn der Hahn um die zehn Minuten zu war, danach ein paar Tropfen Wasser rauskamen. So schlüpfte ich ständig aus dem Moskitonetz, ging durch den Garten nach hinten, holte die Tropfen, ging wieder zurück, wartete, dasselbe nochmal. Beim Wasserhahn warten wollte ich nicht, da waren sehr viele Insekten, deren Freundlichkeit ich bezweifelte und wohl auch ein paar größere Tiere, die ich in der Dunkelheit erahnen konnte.

Am nächsten Morgen gab es dafür null Einsicht von der Besitzerin und gegenüber einen Laden, in dem die Tigerente echtes panamesisches Frühstück bekam: Maistortillas und Hühnchen. Mjm mjam. Aß das Kind auf der Hollywoodschaukel. So eine Hollywoodschaukel hat was. Ich will auch eine.


Ich möchte darauf hinweisen, dass ich aufgrund einer Offline-Phase im Verzug bin und wir schon längst woanders sind.

 

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2 Gedanken zu “Santiago und das fürchterlichste Hostel der Welt

  1. nur mut, das wird schon alles klappen. ich hab auch die wildesten übernachtungsplätze kennen lernen dürfen. aber sie haben mich keineswegs vom reisen abschrecken können. es hat mir trotz allem immer wieder spaß gemacht.
    viel glück euch beiden…

    Gefällt 1 Person

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